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Persönlichkeit überstrahlt Parteidenken

MUTTERSTADT: Sozialdemokrat Schneider sammelt auch Stimmen im CDU-Lager
Von unserem Redakteur

Jörg Schmihing

Ein kommunalpolitisch erfahrener SPD-Kandidat, ein ehrgeiziger FDP-Nachwuchsmann mit christdemokratischem Segen und ein Parteiloser mit ausgeprägten Wurzeln im Vereinsleben: Die Mutterstadter haben am Sonntag entschieden. Und sich dabei offenbar vor allem am persönlichen Eindruck orientiert, den die Bewerber um das Bürgermeisteramt im Wahlkampf hinterlassen haben. Sozialdemokrat Hans-Dieter Schneider hat dabei offenbar über Parteigrenzen hinweg überzeugen können.

Fast 70 Prozent Zustimmung für einen SPD-Mann in einer Gemeinde, wo die CDU als stärkste kommunalpolitische Kraft gilt - das ist schon eine Hausnummer. Insofern wollten auch Parteifreunde des Wahlsiegers Schneider den Erfolg weniger mit einem Wiedererstarken der SPD in Mutterstadt in Verbindung bringen, sondern stellten wie Kreisvorsitzender Wolfgang Kraus und Landrat Werner Schröter den persönlichen Einsatz ihres Kandidaten heraus.

Stärken und Schwächen

Zwar liegen auch bei Hans-Dieter Schneider das stärkste (79,32 Prozent, 0021 Neue Pforte) und das schwächste (64,25 Prozent, 0032 Mandelgrabenschule) Einzelergebnis in den neun Stimmbezirken rund 15 Prozentpunkte auseinander, ansonsten schwanken die Werte in der Größenordnung von drei bis vier Prozentpunkten um das Gesamtresultat von 69,7 Prozent. Jochen Becker - mit 19,7 Prozent der Stimmen die Nummer zwei im Kandidatenrennen - ergatterte im Stimmbezirk „0021 Neue Pforte" mit 11,3 Prozent die wenigsten, im Stimmbezirk „0032 Mandelgrabenschule" mit 25,4 Prozent die meisten Stimmen. Die größte Unterstützung fand Volker Reimer - Gesamtergebnis: 10,6 Prozent - im Bezirk „0011 Pestalozzischule" (13,3 Prozent), das geringste Vertrauen schenkten ihm die Wähler im Bezirk „0042 Integrierte Gesamtschule" (8,74 Prozent).

Fast ein Fünftel Briefwähler

Das seit den 1990er Jahren in der rheinland-pfälzischen Kommunalverfassung verankerte Prozedere der Direktwahl hauptamtlicher Bürgermeister und Landräte litt zuletzt unter der in manchen Orten schwachen Wahlbeteiligung: Im Rhein-Pfalz-Kreis bestätigten im Februar 2005 lediglich 49 Prozent Amtsinhaber Eckhard Leyser (SPD) als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maxdorf, bei der Wahl von Peter Christ zum Verwaltungschef in Böhl-Iggelheim lag die Beteiligung bei 52,5 Prozent.

Vor diesem Hintergrund haben die Mutterstadter am Sonntag ein vorsichtig-optimistisches Zeichen gesetzt: Immerhin 58,7 Prozent der 9738 Wahlberechtigten stimmten für einen der drei Bewerber. Traumwerte wie in Böhl-Iggelheim 1998, als 90 Prozent der stimmberechtigten Bürger zu den Urnen eilten, dürften allerdings kaum zu wiederholen sein - zumal wenn auf die erste Runde 14 Tage später noch eine Stichwahl folgt. Ungebrochen scheint auch in Mutterstadt der Trend zur Briefwahl zu sein: Fast ein Fünftel der 5714 Wähler hat von der bequemen Möglichkeit zur Stimmabgabe per Post Gebrauch gemacht.