MUTTERSTADT: Bürger klagen über starke Geruchsbelästigung - Öffentliches Gespräch im Dezember
Von unserem Mitarbeiter
Gereon Hoffmann
Es stinkt immer noch, finden Mutterstadter Bürger. Nachdem vor gut zwei Jahren das Thema Geruchsbelästigung bereits hohe Wellen schlug, ist das Problem nach Ansicht vieler Mutterstadter nicht gelöst. In der Diskussion werden vor allem zwei Unternehmen als mögliche Verursacher genannt: die Tankreinigung Kobler und die Kompostieranlage Zeller. Im Dezember soll zum Thema Gestank ein öffentliches Gespräch zwischen Unternehmern, Behörden und Bürgern stattfinden.
Von unangenehm bis Übelkeit erregend reicht das Spektrum der Gerüche, über das Mutterstadter Bürger klagen. „Beißend und kratzend" habe es gestunken, manche Mitarbeiter hätten über Kopfweh geklagt, berichtet Heiko Zinn, Inhaber eines Geschäftes für Haustierbedarf im Gewerbegebiet Fohlenweide. Gäste seiner Tanzschule hätten sich beschwert, sagt Zinns Nachbar Herbert Nagel. Volker Strub, der in der Mozartstraße wohnt, führt Buch über die Geruchsbelästigungen, die nach seinen Beschreibungen manchmal extreme Formen annehmen. „Es riecht dann intensiv säuerlich, als ob einem jemand vor die Füße kotzt", sagte er. Strub ist dritter Beigeordneter (Soziales und Jugend), will aber in dieser Angelegenheit als betroffener Privatmann gelten.
Die Gerüche sind auch nach Aussagen anderer Bürger nicht eindeutig einer Quelle zuzuordnen. „Wir wissen nicht, was stinkt", sagt Heiko Zinn. Vor zwei Jahren stand die Tankreinigungsanlage der Firma Kobler im Kreuzfeuer der Kritik. Rund 100 Tanklaster werden hier täglich von Resten chemischer Produkte gesäubert. Inhaber Günter Kobler konnte damals nachweisen, dass üble Gerüche aus der Kanalisation nicht durch seine Tankreinigung entstanden, sondern durch Oberflächenwasser der Kompostierungsbetriebe Zeller, das unerlaubt in das Kanalnetz gepumpt wurde. Ein Fehlverhalten, das Zeller auch eingeräumt hat (wir berichteten).
Heute weist Kobler den Verdacht der Geruchsemmisionen zurück: „Hier gibt es absolut nichts, das riechen könnte", erklärt er. „Extreme Stinker" habe er aus dem Reinigungsprogramm genommen. Freiwillig, wie er betont: „Ich will Ruhe und Frieden haben, außerdem wohne ich ja selber hier." Zum Verdacht, stechende Gerüche stammten von Acrylat-Resten, erklärt Kobler: „Es gab ein solches Produkt, aber das haben wir inzwischen von unserer Liste genommen." Abwässer werden in der eigenen Kläranlage geklärt, Rückstände herausgefiltert. Der Firmenchef ist sicher: „Hier stinkt nichts mehr." Er vermutet, dass einige Leute auch aus persönlichen oder politischen Gründen gegen ihn vorgehen.
Die Firma Zeller betreibt eine Kompostierungsanlage, wo Grünschnitt und Bio-Abfälle verarbeitet werden. Beim Kompostieren zersetzen Mikroorganismen organische Stoffe. Die brauchen dafür genügend Sauerstoff. Fehlt es daran, beginnt ein Fäulnisprozess, der übel riechende Gase freisetzt. „Normaler Kompost riecht nicht unangenehm", erklärt Geschäftsführer Andreas Zeller. Es komme jedoch vor, dass die Zusammensetzung des angelieferten Materials eher zur Fäulnis führe. „Wenn viel Grasschnitt dabei ist oder der Grünschnitt sehr klein ist, wird das Material dichter, und es fehlt an Sauerstoff", erklärt Zeller. Sein Unternehmen versuche, durch gröbere Zerkleinerungen dem entgegenzusteuern, ganz kontrollieren ließe sich der Vorgang nicht. „Gewisse Emissionen sind unvermeidlich", sagt Zeller. Viele Faktoren, wie Temperatur und Wetterlage, spielten eine Rolle.
Zeller berichtet, er habe ein Ingenieurbüro beauftragt, das hierzu Untersuchungen anstelle, mit dem Ziel, die Prozesse zu optimieren. Neben dem Grünschnitt verarbeitet Zeller rund 3000 Tonnen Bioabfälle aus dem Landkreis. Zwar werde das Material in einem geschlossenen Verfahren verarbeitet, aber viermal im Jahr müssten die Lager umgesetzt werden, und es komme zu Geruchsemmisionen. Als in diesem Jahr auf den Feldern rund um Mutterstadt die Bauern Kompost ausgebracht haben, sei es zusätzlich zu Geruchsbelästigungen gekommen.
Hier liegt eine weitere mögliche Geruchsquelle: Feldfrüchte und Erntereste, die die Bauern auf ihren Feldern ausbringen, dazu noch Wasser aus Wasch- und Schälprozessen, können ebenfalls Gerüche entwickeln. Schließlich gibt es noch die Raststätte Dannstadt, die am Mutterstadter Kanalnetz hängt und deren Abwasserbeseitigung in der Vergangenheit Fäkaliengerüche nach Mutterstadt gebracht haben soll.
Zuständig für den Schutz der Bürger vor übermäßigem Gestank ist die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt. Gesetzliche Maßgabe ist die Geruchsimmissionsrichtlinie (GIRL). Sowohl die Unternehmen Zeller, als auch Kobler wurden von der SGD ausführlich geprüft und blieben ohne Beanstandung. Laut GIRL gibt es in Wohngebieten eine Zumutbarkeitsgrenze: Etwa zehn Prozent der Stunden eines Jahres kann es stinken (vorausgesetzt die Emissionen sind nicht gesundheitsschädlich). Rechtlich gesehen hat die SGD das Problem, dass sie erst tätig werden kann, wenn der Geruch einem Verursacher eindeutig zuzuordnen ist.
Dass es immer wieder stinkt, steht außer Frage. „Die Wohnqualität in Mutterstadt wird dadurch gemindert", sagt Bürgermeister Ewald Ledig. Er teilte mit, dass am 12. Dezember um 18 Uhr ein öffentliches Gespräch im Rathaus stattfinden werde, bei dem Vertreter der Behörden, der Gemeinde und der möglichen Emmissionsquellen gemeinsam nach Lösungen suchen.