LUDWIGSHAFEN: Muster-Verwaltungsgliederungsplan fast überall umgesetzt
Viele Kommunen im Ludwigshafener Umland strukturieren künftig ihre Verwaltung um. Grundlage für die Neuordnung der Gemeinde-Aufgaben ist der Muster-Verwaltungsgliederungsplan nach dem Strukturmodell „Gemeinde 21" des Gemeinde- und Städtebunds Rheinland-Pfalz. Andere Wege beschreitet die Verbandsgemeinde Maxdorf. Eine externe Kommunalberatungsfirma soll aufzeigen, an welchen Stellen die Verwaltungsorganisation verbessert werden kann.
Wer ist besser, billiger, wirtschaftlicher? Damit die Kommunen besser vergleichbar sind, hat der Gemeinde- und Städtebund ein Organigramm entwickelt. „Eingearbeitet wurden neue Überlegungen aus der Betriebswirtschaft und dem Management von Konzernen", sagt Burkhard Höhlein, Büroleiter des Gemeinde- und Städtebunds. Die Verwaltungen sollen gestrafft, Kompetenzen klarer abgegrenzt und Aufgaben stärker gebündelt werden. Statt dass ein Vorgang über mehrere Schreibtische gehe und abgestempelt werde, solle er von einem Mitarbeiter bearbeitet werden. Und der Service-Charakter des Bürgerbüros solle hervorgehoben werden: Es stellt nun eine Säule neben Organisation und Finanzen, Umwelt und Bauen sowie den Gemeindewerken dar.
Nicht zufällig gleicht dieser Aufbau dem der kaufmännischen doppelten Buchführung, der Doppik. Darauf müssen sich die Gemeinden nach dem neuen Haushaltsrecht in den kommenden Jahren umstellen. Stimmen Haushaltsposten und Verwaltungsabteilungen in etwa überein, seien die Pläne „lesbarer", so Höhlein.
Fußer: „Gemeinde 21" hat Zukunft
Die Gemeinde Böhl-Iggelheim hat den Musterplan des Gemeinde- und Städtebunds schon im Jahr 2005 umgesetzt. Dieser sieht die Auflösung der bestehenden Abteilungen und ihre Neuordnung in Fachbereichen vor. Dabei werden etwa Zentral- und Finanzabteilung in einem Fachbereich „Organisation und Finanzen" zusammengeführt. Ziele sind ein wirtschaftlicheres Arbeiten und eine schlankere Verwaltung.
In Böhl-Iggelheim wurden aus vier Abteilungen drei Fachbereiche. „Zwei ältere Kollegen sind ausgeschieden. Da hat sich das angeboten", erläutert Büroleiter Willi Zimmermann. Durch die Umstrukturierung musste die Gemeinde eine Stelle nicht mehr neu besetzen. Zimmermannn ist sicher, dass ohnehin auf lange Sicht keine Gemeinde um das neue Modell herumkommt. Andere Effekte habe die neue Struktur für die Kommune kaum: „Wir sind ja keine Riesenverwaltung. Absprachen waren auch vorher nicht schwierig."
Auch die Verwaltung der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim arbeitet schon nach der neuen Struktur. Von einer Kostenerparnis will Günter Fußer, Geschäftsführender Beamter, nicht sprechen. „Wenn der Kämmerer nicht mehr Fachbereichsleiter ist, wird er als Kämmerer trotzdem gebraucht." Dennoch entschied man sich für die Umstellung: Organisatorisch sei die „Gemeinde 21" sicherlich das Zukunftsmodell, glaubt Fußer. „Im Fall von Personalwechseln entscheiden wir jetzt schon nach der neuen Struktur."
Die Gemeinden Mutterstadt, Altrip, und Limburgerhof wollen ihre Verwaltungen in den nächsten Jahren neu ordnen. In Mutterstadt bestehen derzeit fünf Abteilungen. „In einem überschaubaren Zeitraum werden zwei Abteilungsleiter ausscheiden", erläutert der Geschäftsführende Beamte Gunther Holzwarth, dass sich die Umstrukturierung dann anbiete. Mit einer Kostenersparnis durch das Modell rechne die Gemeinde eher langfristig.
Altrip will seine Struktur zusammen mit der Einführung der Doppik verkleinern, berichtet Bürgermeister Jürgen Jacob (FWG). Die kaufmännische doppelte Buchführung soll frühestens 2007 kommen. „Wir werden aber mit Sicherheit niemanden einsparen", so Jacob mit Blick auf das „verhältnismäßig junge Verwaltungsteam".
Peter Kern (SPD), Bürgermeister in Limburgerhof, rechnet noch in diesem Jahr mit einer Neuordnung. Im September werde es dazu Gespräche geben. Er erhofft sich keine Einsparungen im personellen Bereich, sondern vor allem mehr Effizienz. Bei den budgetierten Fachbereichen würden künftig die Kosten stärker im Vordergrund stehen. Gerhard Frey (FDP), Bürgermeister von Neuhofen, sieht derzeit mit Blick auf eine Umstrukturierung „keinen akuten Handlungsbedarf".
Maxdorf: Externe Berater beauftragt
Andere Wege geht die Verbandsgemeinde Maxdorf mit derzeit sechs Abteilungen: Sie hat eine externe Kommunalberatungsfirma mit der Untersuchung der Organisation beauftragt. Eine Mitarbeiterbefragung hat bereits stattgefunden. „Die Firma geht nicht ,betriebsblind" an die Sache heran", schildert Büroleiter Ottmar Geil den Vorteil. Ziel der Analyse sei es, nicht Stellen einzusparen, sondern Abläufe zu optimieren. Erste Ergebnisse sollen im September vorliegen. Im Modell des Gemeinde- und Städtebunds sehe die Kommune derzeit keine Vorteile, so Geil.
Im April hatte die CDU-Fraktion beantragt, die Firma zu beauftragen. Anlass sei, so der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Albert Löffler, die für Rheinland-Pfalz ungewöhnliche Verwaltungsgliederung der Verbandsgemeinde gewesen. Die Kosten der Analyse beliefen sich auf mehr als 20.000 Euro. Gerne hätte die Verbandsgemeinde die Ortsgemeinden einbezogen. Diese hätten sich aber dagegen ausgesprochen, so Löffler. (kan)