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Wie einst der junge Kennedy

Als Politiker mit Familiensinn will der neue rheinland-pfälzische CDU-Parteichef Christian Baldauf punkten
Von unserem Redakteur Winfried Folz, Mainz Er ist der Aufsteiger der rheinland-pfälzischen CDU: Christian Baldauf hat nach gerade fünf Jahren als Abgeordneter im Mainzer Landtag die Parteispitze erreicht. Nun nimmt er das nächste Ziel ins Visier. In fünf Jahren will er Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ablösen. Helfen soll ihm dabei das Image des jungen Vaters, der die Sorgen und Nöte der Familien kennt. Doch zunächst muss er sich um seine Partei kümmern.

In den vergangenen Wochen hat sich Christian Baldauf in Rheinland-Pfalz umgetan. Er ist viele Kilometer gefahren und hat ein Land entdeckt, das er so noch gar nicht kannte. Er hat sich über den geplanten Hochmosel-Übergang bei Zeltingen-Rachtig informiert, er entdeckte auf dem Flughafen Hahn ein gewaltiges Entwicklungspotenzial, und er versuchte, die Interessen von Weinbaufunktionären auszuloten.

Brücken bauen, Potenziale entdecken, Interessen ausloten - wenn man es genau nimmt, dann hat das auch viel mit der rheinland-pfälzischen CDU zu tun. Die Partei ist ein weites Land für Baldauf, und der Frankenthaler, für den bis vor kurzem sein Kreisverband die Welt war, wird jetzt plötzlich auf eine Exkursion ins Ungewisse geschickt. So wie der neue Parteivorsitzende seine Heimat kennen lernt, so beschreitet er zur Zeit auch die Flure und Felder der rheinland-pfälzischen Union. Und seine Entdeckungen sind für ihn alles andere als beruhigend.

Da gibt es zum Beispiel die Parteikasse, mit der keine großen Sprünge zu machen sind. Mit rund 1,5 Millionen Euro steht die Landespartei bei Banken und bei der Bundes-CDU in der Kreide. Und Spenden, tja Spenden, da lacht Baldauf. „Wir müssen erst wieder zu einer überzeugenden Truppe werden, dann werden die Leute auch wieder spenden", sagt er zu seinen Leuten. Müsste jetzt ein Wahlkampf geführt werden, hätte die Mainzer CDU-Parteizentrale ein großes Problem.

Aber wie kann ein junger, 38 Jahre alter Rechtsanwalt, die seit Jahren zerstrittene Partei zu einer „überzeugenden Truppe" formen? Mit Druck, mit Überzeugungskraft oder mit beidem?

Baldauf weiß, wie Hierarchien funktionieren, und warum es Anführer und Ausführende geben muss. Er war schließlich bei der Bundeswehr, in Koblenz übrigens. Und zwar just in jenem verhängnisvollen Jahr 1988, als Hans-Otto Wilhelm den Pfälzer Bernhard Vogel vom Thron des CDU-Parteivorsitzes stürzte. An Baldauf ging dieses Drama damals vorbei, er war ja, wie gesagt, bei der Bundeswehr und hatte mit der Partei noch wenig am Hut.

Doch genau das ist seine Chance. Das Trauma von 1988, die seitherige Lähmung der Partei durch Missgunst, Misstrauen und gegenseitige Häme, ist noch längst nicht überwunden, selbst wenn junge CDU-Mitglieder sich an den Kopf greifen, wenn die Alten anfangen, über „Koblenz" zu reden. Baldauf ist unverdächtig, damals Strippen gezogen zu haben, und er hat die Gnade seiner späten Geburt längst erkannt.

Und er hat noch etwas anderes entdeckt: Dass er in seiner Rolle als junger Vater von zwei Kindern eine ganz passable (politische) Figur abgeben könnte. Und dass er vielleicht wie einst der junge Kennedy mit Kind und Kegel die Herzen der Wähler und später sogar die Staatskanzlei erobern könnte. In seiner Replik auf Becks Regierungserklärung Anfang Mai hat Baldauf dieses Potenzial getestet. Er begann Sätze mit der Formulierung „Ich als Familienvater ..." oder leitete bildungspolitische Statements ein mit den Worten „Wenn mein Sohn in die Schule kommt, findet er vor allem Unterrichtsausfall vor." Baldauf scheute sich auch nicht, in seinem wöchentlichen Kalender mit öffentlichen Terminen mitzuteilen, dass er an der Kindergarten-Abschlussfeier seines Sohnes Lukas teilnehmen werde. Müssen wir das wissen, wollen wir das wissen?

Der jüngste Landesvorsitzende der rheinland-pfälzischen Union ist ehrgeizig, er hat sich ein Ziel gesetzt: „Ich will Erster werden". Und er meint nicht allein den Parteivorsitz, den hat er ja jetzt. Erster im Land, und dann vielleicht sogar zu Höherem berufen, das könnte eine Karriere nach dem Geschmack Baldaufs sein. Aber wie das so ist in der rheinland-pfälzischen CDU: Es könnte eine Karriere sein, es muss keine werden.

Einerlei - Baldauf, der Reisende in Sachen Motivation, ist guten Mutes. Er gewinnt Sympathien durch seine Umgänglichkeit und seinen Humor, er geht zum Lachen nicht in den Keller und ist (noch) bereit, Fehler auch einmal öffentlich einzugestehen. Baldauf verkörpert eine neue, moderne CDU, die Ecken und Kanten hat und auf dem Weg ist, sich von ihrer Vergangenheit zu befreien.

In diesen Tagen erhält Baldauf Schützenhilfe von einem Grandseigneur der Landespolitik, von Heiner Geißler. Der frühere Sozialminister in Mainz (1967 bis 1977) sieht in dem Frankenthaler einen „Klinsmann für die rheinland-pfälzische CDU". Baldauf, ohnehin großer Fußballfan, hat das Bild gerne übernommen. Auf dem Parteitag am Samstag sprach er von der Fitness, die die Partei brauche, vom Teamgeist, vom Fairplay und vor allem - vom Aufstieg, nach dem sich die Partei so sehr sehne. Die Lorbeeren, die er von Geißler als Vorschuss erhalten hat, muss sich Baldauf aber noch verdienen. Er kann tatsächlich von Klinsmann lernen, der stand vor dem gleichen Problem.