MUTTERSTADT: Bürger sehen Schließung der Postfiliale in Umfrage überwiegend kritisch - Nachteil für ältere Einwohner?
Die Post will die Filiale in Mutterstadt bis zum 30. September zu schließen. Wie in anderen Gemeinden auch soll stattdessen in dem 13.000 Einwohner zählenden Ort eine von privaten Partnern betriebene Postagentur eingerichtet werden. Leistungseinschränkungen soll es nicht geben. Proteste von Bürgern, unterstützt mit Unterschriftsaktionen und Politikern, verhallten bisher wirkungslos. In einer Umfrage äußerten sich Bürger kritisch zur Umwandlung.
„Für unsere Einrichtung, die täglich die Post in Anspruch nimmt, ist das alles andere als gut", sagt Bibliothekarin Birgit Bauer. Ihrer Meinung nach sollten die Dienstleistungen der Post im bisherigen Umfang erhalten bleiben oder sogar noch ausgebaut werden. Sie ist nicht davon überzeugt, dass die neu einzurichtende Agentur das bisherige Leistungsspektrum - wie von der Post versprochen - abdeckt.
„ Ich finde, das ist gelinde gesagt eine Katastrophe", äußert sich Hausfrau Anita Schlich klar. Sie selbst habe ein Auto und sei deshalb beweglich, doch man müsse auch an die Bürger denken, die nicht motorisiert sind und für die die Post in der Ortsmitte ein großer Vorteil war. Ein Stück langjährig gewachsener Dorfcharakter gehe zudem nach Auflösung der bisherigen Post verloren, glaubt 44-jährige Mutterstadterin.
Rentner Dieter Wojtaschewski findet, dass auch die Post wie jeder Betrieb wirtschaftlich arbeiten muss. Das könne auch ohne Verlagerungen durch organisatorische Maßnahmen geschehen. Das Dienstleistungsangebot müsse darunter nicht leiden, ist sei Statement. „Was geschieht mit den Menschen die dort arbeiten?", fragt er dennoch besorgt und bedauert die Auflösung der Post in der bisherigen Form.
Ursula Biebinger (52) sieht einen Nachteil für die Einwohner des Dorfes. Alle Firmen, die abbauen oder verlagern möchten, führten immer wirtschaftliche Gründe an. Oft genug sei das nicht nachvollziehbar, so die Hausfrau. „Die Ortsmitte wird langsam leer", meint sie mit dem Hinweis auf geschlossene Läden und erinnert an die Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind.
„ Ich habe gegen die Pläne der Post unterschrieben und finde, dass das Ganze eine Schweinerei ist", echauffiert sich Rentner Rudolf Hildebrandt und wird dabei von der Ehefrau unterstützt. Der 73-Jährige kann sich vorstellen, dass die Versorgung der Bürger durch die Postdienste über den Staat geregelt werden könne. Wirtschaftliche Gründe für die Einrichtung einer so genannten Postagentur ziehen bei Hildebrandt nicht. Der Post AG gehe es gut, das könne man am Aktienkurs feststellen, bekräftigt der Rentner seine ablehnende Haltung.
„Ich komme gerade von der Post", sagt Egon Schäfer, der seit 33 Jahren in Mutterstadt lebt. Wenn die neue Agentur im Zentrum des Ortes bleibt, sieht der 71-Jährige kein Problem der Postversorgung auf sich zukommen. Er braucht nach eigenem Bekunden die Post vorwiegend zum Briefmarkenkauf und Geldabheben. Schreibwaren gebe es auch in anderen Geschäften zu kaufen. In seinem Freundeskreis und bei Geschäftsleuten würden die Pläne der Post allerdings kritisch betrachtet, berichtet Schäfer. (rpe/Fotos: Kunz)