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Proteste gegen Postschließungen nehmen zu

SCHIFFERSTADT/MUTTERSTADT: Unterschriftenaktionen laufen - Am Dienstag Gespräch mit Vertretern des Unternehmens in Mainz
Die Ankündigung der Deutschen Post AG, die Filialen in Schifferstadt und Mutterstadt zum 30. September zu schließen und jeweils durch Postagenturen zu ersetzen, schlägt hohe Wellen. Sowohl in der Stadt als auch in der Gemeinde wollen die Verantwortlichen die Vorgehensweise der Post nicht widerspruchslos hinnehmen.

Schifferstadts Bürgermeister Klaus Sattel (FWG) stemmt sich vehement gegen die Schließung: „Ich mache alles, was möglich ist. Als Bürgermeister werde ich meinen Teil dazu beitragen, dass das noch einmal überdacht wird." Sattel will in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 11. Mai den Ratsmitgliedern den Entwurf für eine Resolution vorlegen, in der die Schifferstadter Räte die Schließung ablehnen. Die Resolution soll an die Post weitergeleitet werden.

„Die Bürger sind sehr beunruhigt", sagt Sattel, der am Wochenende nach eigenem Bekunden beim Frühlingsmarkt auf dem Schillerplatz mehrfach auf das Thema Post angesprochen wurde. Viele Menschen hätten beispielsweise gefragt, wie es in Zukunft mit den Schließfächern weiter gehe. „Darauf konnte ich nur mit den Achseln zucken", sagt Sattel, der noch auf einen Gesprächstermin mit den Post-Verantwortlichen wartet. „Die haben gesagt, sie wollten unbedingt vor Ort nach Schifferstadt kommen." Sattel bezweifelt zudem, ob die geplante Agentur tatsächlich den vollen Leistungsumfang der jetzigen Filiale bieten kann. „Der Standard muss auf jeden Fall erhalten werden", fordert der Stadtchef.

Derweil hat die Schifferstadter SPD am Feiertag bei der Maikundgebung im Waldpark eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung gestartet. Dass eine Stadt mit nahezu 20.000 Einwohnern keine richtige Poststelle mehr haben soll, bezeichnete die SPD-Landtagsabgeordnete Friederike Ebli dabei als „unfassbar" und forderte die Bürger zum Protest auf. Solche Entscheidungen könne man nicht widerspruchslos hinnehmen. Rund 250 Bürger haben sich daraufhin nach Angaben des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Ulrich Schwind bereits in die Liste eingetragen. Schwind hatte anfangs sogar zu wenig Listen dabei. „Heute werden wir die Aktion wohl in der Innenstadt forsetzen", sagt Schwind. „Ob es aber wirklich etwas nützt, weiß ich nicht."

Daran glaubt Ebli fest: „Ich denke, die Unterschriften werden wirken." Ebli weiß zudem um die Unterstützung der SPD-Kreistagsfraktion. „Wir hatten am vergangenen Samstag Klausurtagung." Als ein Ergebnis spricht sich die SPD in einer Resolution klar für den Erhalt der Postfilialen in Schifferstadt und Mutterstadt aus. Auch die SPD-Landtagsfraktion habe Unterstützung zugesagt. Gemeinsam mit Hannelore Klamm aus Mutterstadt, in der SPD-Landtagsfraktion für Postfragen zuständig, wird Ebli am kommenden Dienstag ein Gespräch mit dem Regionalbeauftragten der Post in Mainz führen.

In einem offenen Brief fordern Klamm und die SPD-Bundestagsabgeordnete Doris Barnett die Post zudem auf, die „Entscheidung bezüglich der Filiale in Mutterstadt noch einmal zu überprüfen". Klamm und Barnett verweisen in dem Schreiben an den Vorstand der Deutschen Post AG und die Regionalleitung Südwest darauf, dass sie für die besagte Entscheidung „absolut kein Verständnis haben". Die Abgeordneten zitieren den Geschäftsbericht der Post, nach dem die „Filiale vor Ort mit Kompetenz in der Nähe der Kunden überzeugt". Die Post wolle für die Kunden „immer die erste Wahl sein", heiße es da.

Nach Klamms und Barnetts Ansicht werden diese Aussagen durch die Schließung der Mutterstadter Post „ad absurdum geführt". Den wachsenden Anforderungen Mutterstadts mit seinen 13.000 Einwohnern und dem Pfalzmarkt als Hauptumschlagplatz für Frischobst und -gemüse in Südwestdeutschland werde man damit nicht gerecht. Auch Klamm und Barnett glauben, dass eine Postagentur nicht genau den Leistungsumfang anbieten kann, den eine Postfiliale zur Verfügung stellt.

Mutterstadts Bürgermeister Ewald Ledig (parteilos) brachte gestern ebenfalls eine Unterschriftenaktion gegen die Postschließung auf den Weg. Im Foyer des Rathauses steht eine Stellwand, auf dem ein Schreiben Ledigs veröffentlicht ist, mit dem er die Bürger zum Protest aufruft. Auf einem kleinen Tisch daneben können sich Mutterstadter in eine Liste eintragen. Weitere Listen will Ledig zudem in Mutterstadter Geschäften auslegen lassen. (sai)