SCHIFFERSTADT/MUTTERSTADT: Zwei Postfilialen im Kreis werden in Agenturen umgewandelt
Gleich zwei Postfilialen im Rhein-Pfalz-Kreis sollen zum 30. September geschlossen werden: die Filiale in Schifferstadt und die Poststelle in Mutterstadt. Statt dessen will die Deutsche Post AG in der Stadt und der Gemeinde von Partnern betriebene Postagenturen installieren. Die jeweils drei Mitarbeiter haben laut einem Post-Pressesprecher Kündigungsschutz und werden nach der Schließung woanders eingesetzt.
„Ich war zunächst schockiert", sagte Schifferstadts Bürgermeister Klaus Sattel (FWG) zu der postalischen Überraschung die am 20. April ins Rathaus geflattert kam. „Schließlich haben wir rund 19.300 Einwohner", gibt der Stadtchef bezüglich der Schließung der Postfiliale in der Kleinen Kapellenstraße 7 zu bedenken. Er habe daraufhin mit der Deutschen Post AG Kontakt aufgenommen und „einige Fragen gestellt". Dabei habe man ihm die beabsichtigte Schließung zu dem Zeitpunkt bestätigt, die Mitarbeiter der Filiale seien wohl zeitgleich mit ihm informiert worden, so Sattel. Sattel hat nach eigenen Worten eine Vermittlerrolle bei der Suche nach möglichen Partnern angeboten.
Zur Begründung der Schließungen sagte Post-Pressesprecher Thomas Kutsch: „Wir müssen unser Filialnetz wirtschaftlich betreiben, die Postagenturen sind für uns günstiger." Derzeit sei man in beiden Orten auf der Suche nach Partnern, als Zeitpunkt für die Schließung habe man den Herbst im Auge. Auf die wichtigsten Frage Sattels nach der postalischen Versorgung sagte Kutsch: „Es wird keinen Leerlauf geben. Das wird ineinander übergehen. Wir schließen unsere Filiale erst, wenn wir einen Partner gefunden haben." Die Mitarbeiter genießen nach Kutschs Worten Kündigungsschutz und werden in andere Poststellen versetzt - „wenn"s geht wohnortnah". Egon Heberger von der Schifferstadter Firma Heberger Bau, von der die Post das Haus in der Kleinen Kapellenstraße gemietet hat, sagte gestern auf RHEINPFALZ-Anfrage, dass die Post den Mietvertrag bisher noch nicht gekündigt habe.
Dass das Angebot in der Postagentur gleich bleibt, „kann ich mir überhaupt nicht vorstellen", sagt Mutterstadts Bürgermeister Ewald Ledig (parteilos) zur Schließung der Filiale in der Ludwigshafener Straße. „Was machen zum Beispiel die Kunden, die Postschließfächer nutzen?" Ledig ist empört: „Wir sehen überhaupt nicht ein, dass die Poststelle in unserem Ort mit etwa 13.000 Einwohnern geschlossen werden soll. In unserer Post ist immer viel Betrieb." Besonders unangenehm falle auf, dass man noch keinen neuen Partner habe. Was mit dem laut Ledig posteigenen Gebäude nach der Schließung geschehe, sei ebenfalls wichtig. Denn: „Das Haus ist hier in Mutterstadt ortsbildprägend." Zudem stehe das fünfgeschossige Haus (Ledig: „Früher hatten die Postbeamten oben ihre Dienstwohnungen") unter Denkmalschutz. In den 1990er Jahren habe man noch groß das 150-jährige Bestehen des Hauses gefeiert.
Die Schließung will der Ortschef nicht widerspruchslos hinnehmen und in der kommenden Woche aktiv werden. Geplant ist eine Unterschriftenaktion der Bürger als Protest, außerdem will der Bürgermeister bei der Staatsministerin für Integration, Maria Böhmer (CDU), der Bundestagsabgeordneten Doris Barnett (SPD) und der Landtagsabgeordneten Hannelore Klamm (SPD) für eine Unterstützung der Beibehaltung der Poststelle werben. (sai) Einwurf