MUTTERSTADT: Verein einziger Kaufinteressent für ehemaliges Feuerwehrgerätehaus - Fraktionen: Angebot zu niedrig
Von unserem Redakteur
Oliver Seibel
Das alte Feuerwehrgerätehaus in Mutterstadt steht seit einigen Monaten zum Verkauf. Einziger Interessent: die Türkisch-Islamische Union. Einziges Problem: Zwischen den Preisvorstellungen der Gemeinde und dem Angebot des Vereins liegt derzeit eine Differenz von rund 200.000 Euro.
Seitdem die Feuerwehr im September 2005 ein neues Zuhause gefunden hat, steht das Emmerich-Haus leer. Lediglich ein Tanzsportclub nutzt das obere Stockwerk für seine Übungsseinheiten. Im Zuge des Verkaufs gemeindeeigener Grundstücke will Bürgermeister Ewald Ledig (parteilos) das alte Feuerwehrgerätehaus loswerden, um die Finanzen Mutterstadts aufzupolieren. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes neutrales Wertgutachten für das 1964 gebaute Haus sieht einen Verkaufspreis von rund 450.000 Euro vor. Interesse an dem Gebäude signalisiert schon seit längerem die Türkisch-Islamische Union. „Der Verein hat uns ein Angebot unterbreitet, das erheblich unter der Summe des Wertgutachtens liegt. Deshalb habe ich es abgelehnt", so Ledig.
270.000 Euro hat die Türkisch-Islamische Union laut ihres Vorsitzenden Akgün Canoglu für das Objekt geboten. Die Räume in der Oberen Kirchstraße, in denen der Verein seit 20 Jahren untergebracht ist, seien für die Bedürfnisse der 60 Mitglieder zu klein geworden. „Das Haus dort ist zu alt und zu eng. Das Emmerich-Haus ist für uns sehr interessant. Aber der Preis ist ein bisschen zu hoch", sagt Canoglu. Seit einiger Zeit ist die Türkisch-Islamische Union auf der Suche nach neuen Gebets- und Seminarräumen.
Canoglu wünscht sich in erster Linie zweierlei: eine deutsch-türkische Begegnungsstätte und einen Ort, an dem türkische Jugendliche sich weiterbilden können. „Beten kann jeder zu Hause. Aber die Jugendlichen brauchen Unterstützung, die ihnen das Elternhaus nicht immer geben kann. Impulse von außen können da so wichtig sein", meint der Vorsitzende. Darüber hinaus fehlt es seiner Einschätzung nach teilweise am Dialog zwischen Deutschen und Türken: „Wir wollen mit unseren Nachbarn zusammenleben. Dafür würde ich gerne einen Ort haben, an dem wir Integrationshilfe geben können."
Bisher scheitern diese Bemühungen an rund 200.000 Euro. „Was der Verein vor hat, ist von der Idee her gut. Aber was er für das Gebäude geboten hat, ist einfach ein bisschen wenig", findet Hannelore Klamm, SPD-Fraktionssprecherin im Gemeinderat. Dass die Gemeinde „nichts zum Schleuderpreis zu vergeben hat", meint auch Joachim Greiff (CDU): „Wir führen keine Diskussion über den Interessenten, sondern über den Preis. Und da liegt man zu weit auseinander. Wenn man sich näher kommt, kann über eine Nutzung nachgedacht werden." Er räumt aber ein, dass es fraglich sei, ob die Summe, die das Wertgutachten nennt, erzielt werden könne, ohne allerdings diesen Preis grundsätzlich in Frage zu stellen.
Der festen Überzeugung, dass dem Verein ein angemessener Bet-raum zur Verfügung gestellt werden müsse, ist Ulrich Hettenbach (FDP). „Wenn sich das mit dem Verkauf des Emmerich-Hauses paaren lässt, ist es vernünftig. Man kann das Gebäude aber nicht unter Wert verkaufen", stellt er klar. Gleichzeitig gibt Hettenbach zu bedenken, dass „die Interessenten für das Haus nicht gerade Schlange stehen". Er habe die Türkisch-Islamische Union als gemäßigten Verein kennen gelernt, der nie Probleme mit Nachbarn gehabt habe.
Keine Einwände gegen eine islamische Begegungsstätte für die Mutterstadter hat Hartmut Kegel (FWG). Bei einem regionalen Zentrum, zu dem Gläubige aus Heidelberg und Mannheim strömen, wäre die Akzeptanz dagegen gering. „Das Ganze soll eine begrenzte Sache sein. Wenn das Nutzungskonzept klar bekannt ist, sind wir nicht gegen einen Verkauf an den Verein", sagt Kegel, der das Angebot der Union ebenfalls als zu niedrig bewertet. Die Hoffnung, dass „sich Gemeinde und Verein beim Preis in der Mitte treffen", schlummert in Ingrid Schellhammer von den Grünen. Das jetzige Anwesen, in dem der Verein untergebracht ist, sei „in einem miserablen Zustand". Und: „Wenn die Gemeinde wirklich verkaufen will, lässt sie sich auch auf einen niedrigeren Preis ein."