LUDWIGSHAFEN: Persönliche Erklärung des Landrats bei Kreistagssitzung gestern Nachmittag
2009 ist Schluss: Etwas mehr als ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit hat Landrat Werner Schröter (SPD) gestern offiziell mitgeteilt, dass er auf eine zweite Kandidatur verzichten möchte. In einer persönlichen Erklärung, die er bei der Sitzung des Kreistages vor Eintritt in die Tagesordnung verlesen hat, nennt der 64-Jährige sein Alter als zentralen Grund für die Entscheidung.
Theoretisch hätte Werner Schröter seit einer Gesetzesänderung die Option besessen, sich am 7. Juni 2009 - diesen Termin hat der Kreistag gestern einstimmig beschlossen - ein weiteres Mal direkt dem Votum der Wähler im Rhein-Pfalz-Kreis zu stellen. Schröters 65. Geburtstag ist am 28. Juni kommenden Jahres, die Altersgrenze hätte er also nicht überschritten gehabt, im Falle seiner Wiederwahl - so sieht es das Gesetz inzwischen vor - hätte er sogar die vollen acht Jahre im Amt bleiben können.
50 Jahre öffentlicher Dienst
Das wollte Werner Schröter offensichtlich nicht: „Im kommenden Mai bin ich 50 Jahre im öffentlichen Dienst beschäftigt, darauf, finde ich, kann man stolz sein. Wie oft gibt es das heutzutage noch?", sagte der Landrat gestern Abend im RHEINPFALZ-Gespräch. Acht Jahre seien eine lange Zeit, und es wäre gegenüber dem Wähler unredlich und unaufrichtig, wenn er nach einer erfolgreichen Wiederwahl in der Mitte seiner zweiten Amtszeit in den Ruhestand gehe würde, heißt es in der gestern abgegebenen persönlichen Erklärung.
Zum Zeitpunkt seiner Wahl sei eine Gesetzesänderung, die ihm eine zweite Kandidatur ermöglicht, nicht absehbar gewesen, sagte Schröter. Insofern sei für ihn immer klar gewesen: „Mit 65 ist Schluss!" Zum jetzigen Zeitpunkt sei ihm die Entscheidung gegen einen zweiten Anlauf aber „sehr schwer gefallen", so der Verwaltungschef. „Das ist etwas Endgültiges, das fällt niemandem leicht. Deshalb gab es da schon eine Reihe schlafloser Nächte", räumte der Landrat im RHEINPFALZ-Gespräch ein.
Die Wahl des Zeitpunktes, seine Entscheidung öffentlich zu machen, kommentierte Schröter gestern kurz und knapp: „Ich habe den Termin für den geeigneten gehalten." Dass er mit dem Gedanken spiele, auf eine zweite Kandidatur zu verzichten, habe er Partei und Kreistagsfraktion schon vor geraumer Zeit gesagt. Dass er gestern das Resultat seiner Überlegungen offenlegte, dazu habe auch ein Gedankenaustausch mit dem „Freund und Parteivorsitzenden" Kurt Beck am vergangenen Freitag beigetragen, sagte Werner Schröter. Der Landrat hatte seine Erklärung vor dem Kreistag - möglicherweise auch deshalb - etwas scherzhaft mit einer Anspielung auf den Rückzug Becks vom Bundesvorsitz der Sozialdemokraten eingeleitet: „Es ist vielleicht die Zeit der Verkündungen."
Unklarheit bei Kandidatenfrage
In seiner Erklärung nennt der bis November 2009 amtierende Landrat allerdings einen weitere Anhaltspunkt, warum er sich ausgerechnet jetzt erklärt hat: Er tue das, „um den politischen Kräften im Landkreis Zeit zu geben, das politische Feld für meine Nachfolge zu bestellen". Was seine eigene Partei angeht, vertritt Werner Schröter da eine klare Linie: „Ich habe gesagt, dass ich mich an der Kandidatensuche nicht beteilige. Ich werde allerdings, den Mann oder die Frau, den die SPD aufstellt, nach Kräften unterstützen."
Die Sozialdemokraten geben, angesprochen auf mögliche Bewerber um den Chefposten im Kreishaus, kein einheitliches Bild ab. Während Unterbezirksvorsitzender Günther Ramsauer gestern von einem Kandidaten redete, der mit dem Kreisvorstand im Gespräch sei, war aus dem Partei-Umfeld gestern auch zu hören, dass noch drei Personen im Rennen seien. Zumindest ein Name ist schon durchgesickert: der von Landesdiakoniepfarrer Gordon Emrich. Wie seinerzeit mit Schröter 2001 wäre der SPD im Rhein-Pfalz-Kreis mit dem evangelischen Geistlichen ein Überraschungscoup gelungen.
Was macht die CDU?
Mit Interesse dürfte auch die CDU gestern den Schritt Schröters zu Kenntnis genommen haben: Deren Vorsitzender und hauptamtlicher Kreisbeigeordneter Michael Elster war dem amtieren Landrat 2001 in der Stichwahl unterlegen, hatte aber auch in den Folgejahren keinen Hehl aus seinen Ambitionen auf den Chefposten in der Kreisverwaltung gemacht.
Selbst wenn Werner Schröter auch gestern mehrfach betont hat, dass ja noch mehr als ein Jahr bis zu seinem Abtritt vergehen werde und eine Menge Arbeit auf ihn warte, ein bisschen persönliche Bilanz hat er nach der Sitzung des Kreistages doch gezogen: „Gerade die Jahre als Landrat haben mir sehr viel Spaß gemacht." Bei Durchhängern, die es es auch gegeben habe, sei er immer wieder durch den Kontakt mit den Menschen im Kreis aufgebaut worden, sagte er.