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„Was es uns kostet, das ist es uns wert"

MUTTERSTADT: Palatinum vor zehn Jahren eröffnet - Bürgermeister zieht positive Bilanz
Von unserem Redakteur

Alexander Sperk

Den Mutterstadtern Vereinen die Möglichkeit zu geben, vor Ort auch größere Veranstaltungen ausrichten zu können - mit diesem zentralen Ziel brachte der Gemeinderat 1991 den Bau des Palatinums auf den Weg. Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde das Veranstaltungszentrum im Sommer 1998 eingeweiht. Am kommenden Wochenende feiert die Gemeinde den zehnten „Geburtstag" ihrer „guten Stube". Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) zieht eine positive Bilanz.

„Was uns das Palatinum kostet, das ist es uns wert", sagt Schneider mit Blick auf die in der Vergangenheit häufiger geführte Kostendiskussion rund um das Veranstaltungszentrum. Knapp 24 Millionen Mark hat sich die Gemeinde damals den Bau des Palatinums, der Gaststätte und der an das Gebäude angeschlossenen Sporthalle der TSG Mutterstadt kosten lassen. Die Errichtung der Halle war Teil eines Abkommens mit dem Sportverein gewesen, der im Gegenzug sein altes Sportgelände für den Bau zur Verfügung gestellt hatte.

Einnahmen aus dem Wirtschaftsbetrieb und der Vermietung in Höhe von etwa 120.000 Euro stehen derzeit Ausgaben für den laufenden Betrieb des Veranstaltungszentrums gegenüber, die sich zwischen 170.000 und 190.000 Euro im Jahr bewegen, wie Werkleiter Achim Hammer vorrechnet. Er ist gleichzeitig Leiter der Finanzabteilung der Gemeinde. Mit Zins, Tilgung und Abschreibungen summieren sich die Ausgaben für das Palatinum allerdings auf etwa 800.000 Euro jährlich.

„Das ist nichts Überraschendes, sondern eine Größenordnung, über die sich der Rat von Anfang im Klaren war", betont Schneider. Ein Klotz am Bein sei das Veranstaltungshaus auf keinen Fall, betonen Schneider und Hammer. „Was die Defizite aus dem laufenden Betrieb angeht, so liegt das Palatinum absolut im Schnitt der anderen Einrichtungen der Gemeinde", sagt der Bürgermeister. Die Kritikpunkte von Wirtschaftsprüfern, die 2005 im Auftrag des Gemeinderats ein Gutachten erstellt hatten, seien teilweise abgestellt worden, sagt Schneider. So seien die Personalkosten reduziert worden, die Öffentlichkeitsarbeit werde seit einiger Zeit intensiver betrieben als früher. Auch sei ein Werkleiter für den Eigenbetrieb bestellt worden.

Zufrieden zeigen sich die Verantwortlichen mit der Auslastung des Palatinums: An etwa 120 Tagen im Jahr finden dort Veranstaltungen statt. Die Palette reicht von Jubiläumskonzerten örtlicher Vereine über Abi-Feiern bis hin zu einer Reptilienbörse oder den 25 Kulturveranstaltungen im Jahr, die die Agentur Salten-Gastspiele aus Limburgerhof im Palatinum anbietet. Auch Tagungen finden in dem Veranstaltungszentrum statt. Um die Möglichkeiten in diesem Bereich zu erweitern, sei mittelfristig der Anbau eines separaten Tagungsraums eine Option, sagt Schneider. „Dadurch würden wir das Nutzungsspektrum erweitern", meint der Bürgermeister.

„Wir können natürlich nicht mit dem Congress-Centrum in Frankenthal oder dem Pfalzbau konkurrieren. Aber wir wollen den Bürgern und den Vereinen eine Einrichtung für größere Veranstaltungen anbieten, die angenommen wird und deren Kosten uns nicht davon laufen", sagt Schneider. Mit Justus Frantz, der im vergangenen Jahr zu einem Weihnachtskonzert nach Mutterstadt kam, oder Konstantin Wecker wurde dennoch der eine oder andere große Name aus der Kulturszene nach Mutterstadt gelotst. Bei der Agentur Salten lobt man vor allem die große Bühne und die gute Akustik des Palatinums, die das Veranstaltungszentrum interessant für Konzerte und Musicals machten. Beim Mutterstadter Publikum kämen vor allem Musik- und Volkstheater gut an.

Mit Helmut Kohl und Gerhard Schröder fanden nicht zuletzt dank des Palatinums auch schon zwei Bundeskanzler den Weg nach Mutterstadt. „Das ist auch ein Stück Imagepflege für die Gemeinde. Durch das Veranstaltungszentrum kommen Gäste nach Mutterstadt, die sonst nicht gekommen wären", sagt Schneider. In erster Linie sei das Palatinum aber ein Angebot an die eigenen Bürger: „Was es wert ist, würde man erst merken, wenn es nicht mehr da wäre."