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Moschee und Treffpunkt für die Jugend

MUTTERSTADT: Was der Türkisch-Islamische Kulturverein mit dem Emmerich-Haus vorhat

Nachdem der Mutterstadter Gemeinderat dem Verkauf des Johann-Wilhelm-Emmerich-Hauses an den Türkisch-Islamischen Kulturverein Mitte Juni zugestimmt hat (wir berichteten), hat der Verein mit den Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten begonnen. Im April oder im Mai kommenden Jahres soll das Haus dann täglich seine Pforten öffnen.

Das ehemalige Feuerwehrgerätehaus wird nach den Plänen des Vereins nicht nur zum Ort des Gebets für die 700 Muslime in der Gemeinde, sondern auch zur Anlaufstelle für Jugendliche. „Die Moschee ist nur ein Teil unseres Vorhabens. Unser Hauptziel ist es, den Menschen, vor allem den Jugendlichen, etwas zu geben", betont Ayhan Aydinli, Vorstandsmitglied des Vereins. „Sie sollen sich nicht mehr auf der Straße treffen, dort kommen sie nur auf dumme Gedanken", ergänzt der Vereinsvorsitzende Ismail Torun. Geplant sei, im Erdgeschoss ein Jugendcafé einzurichten. Auch Nachhilfestunden und Unterricht in verschiedenen Fächern will der Verein anbieten, unter anderem in Religion, Mathematik oder türkischer Folklore. Unterrichtet werden soll überwiegend in deutscher Sprache: „Die Jugendlichen leben hier, also müssen sie sich auch verständigen können", unterstreicht der Unternehmer Torun.

Perspektiven aufzeigen

Man wolle den jungen Leuten helfen, sich in die Gemeinschaft zu integrieren und ihnen Zukunftsperspektiven aufzeigen. Wichtig sei, dass sie sich an Vorbildern aus den Reihen des Vereins orientieren können, meint Torun - und nennt seinen Vorstandskollegen Ayhan Aydinli als Beispiel, der an der Fachhochschule Mannheim Chemieingenieurwesen studiert hat. Koordinieren soll die Bildungsangebote der Mutterstadter Imam Merdan Günes, der an einer Grundschule in der Pfingstweide Islam-Unterricht in deutscher Sprache gibt. Wie Aydinli betont, seien die Angebote des Vereins für alle gedacht: „Es sollen nicht nur Türken kommen."

Dass der Verkauf des Emmerich-Hauses trotz einer letztlich breiten Mehrheit im Gemeinderat nicht unumstritten war, könne er sogar nachvollziehen, meint Torun: „Wir haben die kritischen Stimmen vernommen und wollen versuchen, den Menschen ihre Bedenken zu nehmen." Man sei den beiden Kirchengemeinden, den großen politischen Parteien und Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD) dankbar, dass es mit dem Verkauf geklappt habe, sagt Aydinli. Die Auflagen, die die Gemeinde in dem Kaufvertrag gemacht hat - unter anderem darf der Schlauchturm nicht als Minarett genutzt werden - gingen in Ordnung, sagt Torun: „Ein Minarett ist ein Symbol. Was soll ich mit einem Symbol, wenn ich mein eigentliches Ziel nicht erreiche?" Die Bedenken der Nachbarn, die Lärmbelästigung durch die Moschee befürchten, nehme er ernst. So sollen keine türkischen Hochzeiten im Emmerich-Haus gefeiert werden.

Persönlichen Kontakt pflegen

Positiv für die Integration in das örtliche Leben sei die zentrale Lage des Hauses in der Hartmannstraße, meint Aydinli. Dadurch sei es möglich, den persönlichen Kontakt mit den Bürgern zu pflegen und Berührungsängste abzubauen. Anders als in den bisherigen Räumen des Vereins in der Oberen Kirchgasse sei es nach Abschluss der Renovierung möglich, im Emmerich-Haus Gäste zu empfangen.

Bis es allerdings so weit ist, liegt noch viel Arbeit vor den Vereinsmitgliedern: Geplant ist unter anderem, über dem Saal im Obergeschoss eine Galerie anzulegen. Die Arbeiten sollen überwiegend in Eigenleistung erledigt werden. Auch seine Kontakte in die Baubranche will Torun nutzen. Dennoch rechnet er damit, weitere 150.000 Euro in das renovierungsbedürftige Haus stecken zu müssen. Diese sollen - wie auch der Kaufpreis von 300.000 Euro - von Spendern und Gemeindemitgliedern aufgebracht werden. (spk)