MUTTERSTADT: Türkisch-Islamischer Kulturverein erhöht Angebot - Kontroverse Debatten auf Bürgerversammlung
Der Türkisch-Islamische Kulturverein Mutterstadt hat der Gemeinde ein Kaufangebot über 300.000 Euro für das ehemalige Feuerwehrgerätehaus in der Hartmannstraße gemacht. Über 200 Bürger, Vertreter von Parteien, Vereinen und Kirchen diskutierten am Montagabend das Für und Wider eines Verkaufs bei einer von der Gemeinde einberufenen Bürgerversammlung im Palatinum. Der Gemeinderat soll noch im Juni über den Verkauf entscheiden.
„Ich wünsche mit heute Abend einen offenen Dialog, denn eine Entscheidung in dieser Sache ist - auch wenn anders lautende Gerüchte im Umlauf sind - noch nicht gefallen", betonte Bürgermeister Hans-Dieter Schneider (SPD). Das Anwesen sei trotz aller Anstrengungen der Verwaltung nicht zu vermarkten gewesen. Der ausgearbeitete Vertrag sei eine solide Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten. Er sieht diverse Nutzungseinschränkungen vor: Unter anderem darf der Turm nicht als Minarett verwendet werden, auch dürfen an ihm keine Symbole und sonstige Hinweise auf die Art und Nutzung des Hauses angebracht werden.
Unterschriftenliste übergeben
Beim Thema Ortskernentwicklung erhitzten sich die Gemüter. „Ich bezweifle, dass ein türkisches Kulturhaus mit Moschee die Ortskernentwicklung positiv beeinflusst", sagte ein Bürger und verwies auf mögliche Lärmbelästigungen durch die Muslime. Das Emmerich-Haus habe über Jahre hinweg eine Tanzschule beherbergt, dort seien auch schon das Rote Kreuz und die Feuerwehr untergebracht gewesen, entgegnete Schneider mit Blick auf das Lärmargument.
„Warum soll ein Kernstück innerhalb des Ortes so veräußert werden, dass die Gemeinde auf diese über Jahrzehnte keinen Einfluss mehr haben wird?", fragte der FWG-Vorsitzende Ingo Preuss. Er übergab nach der Versammlung eine Unterschriftenliste von Bürgern, die gegen das Vorhaben sind.
Schneider verwies auf Ratsbeschlüsse, die auch mit Zustimmung der FWG gefasst worden seien. „Die Art und Weise, wie aus der Deckung heraus operiert wird, hat mich erschreckt", kritisierte er. Der katholische Pfarrer Eric Klein brach eine Lanze für die Muslime: Sie hätten in unmittelbarer Nachbarschaft der katholischen Kirche einen Gebetsraum, Klagen über zuviel Lärm seien noch nie laut geworden. „Geht es um den Ortskern oder soll der Verkauf an die Muslime mit allen Mitteln verhindert werden?", fragte der Geistliche und erhielt dafür Applaus. „Unsere muslimischen Mitbürger haben das Recht, im Rahmen der freiheitlichen Grundordnung der Gesellschaft ihren Glauben zu leben", betonte der evangelische Pfarrer Knut Trautwein-Hörl. „Wir wollen keine Paralellgesellschaft, doch wenn wir alles ablehnen, schaffen wir eine solche", sagte Ullrich Hettenbach (FDP).
Eine Fragestellerin vermutete, dass der türkische Staat hinter der Aktion stehe. Dem sei nicht so, antwortete der Vorsitzende des Türkisch-Islamischen Vereins, Ismail Torun. Der Unternehmer verwies auf die volle Verantwortlichkeit des Vereinsvorstands. „Ich habe eine deutschen Pass, bin im Alter von zwölf Jahren nach Deutschland gekommen. Wir fühlen uns als Teil der Gesellschaft und wollen mit unserer Präsenz im Emmerich-Haus am gesellschaftlichen Leben des Dorfes teilnehmen", bekräftigte Torun. Ängste vor einer Islamisierung seien vollkommend unbegründet, so der Imam Merdan Günes.
Keine großen Veranstaltungen
Der momentan 70 Mitglieder starke Verein werde die auch über das Baurecht gemachten Auflagen einhalten, sollte er den Zuschlag bekommen, versprach Torun. Bedenken, dass türkische Hochzeiten mit mehr als 500 Besuchern die Ruhe der Anwohner störten, versuchte Torun zu zerstreuen. Veranstaltungen dieser Größenordnung scheiterten bereits an der schwierigen Parkplatzsituation. Der Verkauf des Areals sei eine Chance für alle und werde die Ortskernentwicklung positiv beeinflussen, zeigte sich Martin Binder (CDU) optimistisch. „Wir haben uns das nicht leicht gemacht, denn das ist kein Thema mit dem man punkten kann", unterstrich Schneider.
Die Türkisch-Islamische Union, aus der der Türkisch-Islamische Kulturverein hervorging, hatte bereits Ende 2005 ein Kaufangebot für das Emmerich-Haus in Höhe von 270.000 Euro vorgelegt. Es wurde vom Gemeinderat und dem damaligen Bürgermeister Ewald Ledig abgelehnt, weil ihnen die Differenz zwischen gutachterlichem Verkehrswert und Angebotshöhe zu groß war. Ein Gutachter hatte den Verkaufspreis zuvor auf 450.000 Euro taxiert. (rpe/spk)