LUDWIGSHAFEN: Limburgerhof, Neuhofen und Mutterstadt betonen positive Aspekte - Votum gegen südliche Variante
Die „Südspange" gilt vielen als Paradebeispiel, wie sich ein Projekt im Konflikt zwischen Planern, Politik und Parteigängern zum Papiertiger entwickelt. Die RHEINPFALZ-Serie „Projekt und Positionen' will das Millionen-Vorhaben, die damit verbundenen Ziele und Kritikpunkte verschiedener Interessengruppen vorstellen. Das Thema heute: Was bringt die „Südspange" den Gemeinden? Von unserem Redakteur Jörg Schmihing Einige Bewohner der Max-Planck-Straße in Limburgerhof dürften sich lebhaft an Zeiten erinnern, als Grundwasser noch regelmäßig in ihre Keller drückte. Nach Jahren mit geringen Niederschlagsmengen ist der Grundwasserspiegel in der Vorderpfalz zwar gesunken, die früheren Probleme sind vielleicht weniger akut. Dennoch verbinden Gemeinden im Rhein-Pfalz-Kreis ganz konkrete Erwartungen mit der „Südspange": Nasse Tiefgeschosse durch Wasser, das von der Haardt in Richtung Rhein abfließt, soll es nach ihrem Bau nicht mehr geben. „Auch wenn es so scheint, als ob der direkte Handlungsdruck für uns derzeit nicht mehr so groß ist, sind wir der Ansicht, dass vorgesorgt werden muss", skizziert Bürgermeister Peter Kern (SPD) die Sicht der Dinge in Limburgerhof. Der Grundwasserspiegel könne sich ja wieder ändern. Ohne „Südspange" dürften dann die altbekannten Probleme in der Gewanne „Kühbrunneneck", deren Name schon auf das dort früher reichlich vorhandene nasse Element hindeutet, wieder auftreten, schätzt Kern. Zumindest früher erlebten dann Hausbesitzer in der Max-Planck- oder der Justus-von-Liebig-Straße beim Gang in den Keller die eine oder andere böse Überraschung. Dieses Phänomen kennt auch so mancher Bewohner des Blockfelds in Mutterstadt. Dass diese Situation entschärft wird, ist eine der Hoffnungen, die Beigeordneter Klaus Leicht (SPD) mit der „Südspange" verknüpft. Auf das Großprojekt allein möchten die Mutterstadter aber offenbar nicht vertrauen: „Es gibt Überlegungen zu begleitenden Maßnahmen innerorts. Über die technische Umsetzung von punktuellen Wasserabsenkungen sind sich die Fachleute aber noch uneins", beschreibt Leicht den Stand der Dinge. Fest steht einstweilen, dass frühere Pläne, alte Gräben zu reaktivieren, wohl nicht funktionieren werden. Diese Wasserläufe seien auch in Mutterstadt größtenteils einfach zugeschüttet worden, vermutet der Beigeordnete. Bürgermeister Gerhard Frey (FDP) sieht bei der „Südspange" für Neuhofen mehr Chancen als Risiken. Voraussetzung sei allerdings die Klärung einiger offener Fragen: Darf die Gemeinde im Notfall über das geplante Rehbach-Schöpfwerk sechs statt der bislang zugesicherten vier Kubikmeter Wasser pro Sekunde schicken? Wird dieses Pumpwerk inklusive der Rückverlegung des Deichs im Bereich der Rehbachmündung in den Rhein gebaut, bevor die „Südspange" in Betrieb geht? „Da werden wir genau darauf achten", verdeutlicht der Bürgermeister seine Position. Dass nach der mühsam für das Planfeststellungsverfahren festgeklopften Trassenvariante südöstlich von Mutterstadt durch die Felder bis zur Bundesstraße 9 zumindest von Seiten der Landwirtschaft noch einmal die Führung des Hauptgrabens am Rande des Mutterstadter Waldes ins Spiel gebracht wurde, lehnen die drei betroffenen Gemeinden ab - freilich aus völlig unterschiedlichen Gründen. Während Mutterstadts Klaus Leicht schlicht „keine realistische Möglichkeit" erkennt, wie die von den Bauern favorisierte Lösung umzusetzen wäre, führt Neuhofens Gerhard Frey gewichtige Gründe gegen diese Alternativplanung an: „Die südliche Variante ist äußerst problematisch, weil sie in einem Bereich in den Rehbach mündet, wo die Grundwassersituation ohnehin schon schwierig ist." Betroffen davon sei möglicherweise der komplette westliche Teil der Gemeinde, sagt der Bürgermeister. Sein Limburgerhofer Amtskollege Peter Kern verweist auf einen Beschluss seines Gemeinderats, der alle Varianten der „Südspange", die den Ort südlich umgehen, ablehnt. Die Gründe in Stichworten: Zerstörung des Landschaftsschutzgebiets Eichelgarten/Mutterstadter Wald, Gefährdung der Wohngebiete beispielsweise am Birkenweg und Probleme bei der Weiterentwicklung des BASF-Agrarzentrums. Eine spannende Frage stellen die Limburgerhofer Räte in ihrem Beschluss ganz unabhängig von Trassenverlauf und Planungsvarianten: „Was geschieht bei Rheinhochwasser, wenn alle Schleusen geschlossen sind, das Wasser der Südspange nicht in den Rhein abfließen kann und die Pumpstation in der Gemarkung Neuhofen nicht in Betrieb genommen werden darf?"