land und leute
Politikerschelte ist nach dem Mülltrennen und der konstruktiv-kritischen Begleitung der Leistungen unserer Fußball-Nationalelf ganz klar das drittliebste Hobby der Deutschen. Die beliebteste Disziplin dabei: die Diskussion um Diäten. Gemeint ist damit weder das politische noch das eigentliche Gewicht der Protagonisten, es geht um Geld statt um Kilos. Nun sind die allermeisten derjenigen Akteure, die uns im Fernsehen so begegnen, Profis.
Es gibt nun aber auch diejenige politische Klasse, die nicht bei Maybrit Illner über Rentenreform und Mindestlöhne diskutiert, sondern Menschen, die auch jetzt nach der Sommerpause wieder viel abendliche Freizeit mit Entscheidungen über Friedhofsatzungen, Straßenbeleuchtung und Bebauungsplänen verbringen - ehrenamtlich und sicher oft auch auf Kosten privater und familiärer Verpflichtungen. Montags: Bauausschuss, dienstags: Haupt- und Finanzausschuss, mittwochs: Ratssitzung - und nicht immer geht es dabei um spannende Dinge, häufig dominiert das Pflichtprogramm.
Man könnte sagen, unter diesen Umständen ist eine bescheidene monetäre Anerkennung - sozusagen als Schmerzensgeld - durchaus angebracht. Dass trotzdem, wie dem RHEINPFALZ-Bericht diese Woche zu entnehmen war, eine ganze Reihe von Räten im Rhein-Pfalz-Kreis ihre Aufwandsentschädigungen nicht in die eigene Tasche steckt, sondern für die politische Arbeit der Fraktionen spendet, ist aller Ehren wert.
Dieses Engagement können die Bürger mit aktiver Teilhabe an der Ortspolitik honorieren, beispielsweise mit interessierten Beiträgen zur so genannten Einwohnerfragestunde. Die heißt im Sprachgebrauch der Verbandsgemeindeverwaltung Dannstadt-Schauernheim übrigens „Einwohnerfragezeit" - in weiser Voraussicht. Denn Zeit ist leider nicht immer Geld, vor allem nicht für Kommunalpolitiker.