CDU Mutterstadt
Deutschland kann es besser. Deshalb CDU.

Bürger fühlen sich beim Gestank im Stich gelassen

MUTTERSTADT: Geruchsbelästigung gestern Thema einer öffentlichen Versammlung - Behörden kennen Ursache nicht
Gemischte Gefühle blieben bei den meisten Mutterstadter Bürgern, die gestern an der Veranstaltung zum Thema Geruchsbelästigung teilgenommen haben. Auf Einladung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd trafen sich Bürger und Behörden, um nach Abhilfe zu suchen. Klar wurde nur eines: Eine einfache schnelle Lösung wird es nicht geben.

Die Stimmung war gereizt. Viele Bürger erklärten, sie fühlten sich nicht ernst genommen und von den Behörden im Stich gelassen. Auf viele Beschwerden, die teilweise seit Jahren vorgetragen würden, sei nicht so reagiert worden, dass Abhilfe zu spüren sei, sagten viele Mutterstadter.

Ralph Esser, Leiter des Ressorts Abfallwirtschaft der SGD, wollte zunächst nochmals Schilderungen der Geruchswahrnehmungen hören. Es gebe verschiedene mögliche Ursachen, die teilweise nicht in die Zuständigkeit der SGD fielen. „Ich würde gerne ein definierteres Bild für gezielte Maßnahmen bekommen", sagte Esser. Die meisten Berichte deuteten auf die Kompostieranlage Zeller, ein kleinerer Teil bezog sich auf die Tankreinigung Kobler. Gerüche aus der Landwirtschaft waren nach Ansicht der Bürger und der anwesenden Experten nicht störend.

Esser erläuterte die Rechtslage, wonach in Wohngebieten eine Geruchsbelastung von zehn Prozent der Jahresstunden, in Gewerbegebieten von fünfzehn Prozent zulässig sei. „Darf ich dann jede zehnte Stunde Kopfschmerzen und Brechreiz haben?", fragte ein Bürger. Vom Ansatz, erst objektive Messdaten zu erheben, rückte Esser ab und empfahl, statt teurer Untersuchungen lieber in Maßnahmen zur Abhilfe zu investieren.

Andreas Zeller, Chef des Kompostierbetriebes, räumte ein, dass seine Anlagen Gerüche abgeben. Eine Ursache seien unerwünschte Fäulnisprozesse, die bei schlecht strukturiertem Kompost eintreten könnten. Dass Oberflächenwasser von seinem Gelände zu Gestank aus der Kanalisation führen könne, wies Zeller zurück. Sein Kompost habe den Rottegrad III (von fünf möglichen).

Zeller hat den Ingenieur Gerhard Kruse beauftragt, nach Quellen und Ausbreitung von Gerüchen zu forschen. Kruse entwickelte ein vorläufiges Modell mit Wetterdaten aus Mannheim und einer hypothetischen Geruchsemission und kam zu einem Ergebnis, das den Eindrücken der Mutterstadter nicht entspricht.

„Nach ihrer Karte wären wir alle unglaubwürdig", ärgerte sich ein Bürger. Unklar blieb, warum Geruchsbelastungen häufig nachts und vor Wochenenden auftreten. Hannelore Klamm, SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, zitierte ein Dokument aus dem Jahr 1991, wonach der Kompostierbetrieb unter ständiger fachlicher Aufsicht des Kreises stehe und bei ordnungsgemäßem Betreiben keine Geruchsbelästigung zu erwarten sei.

Zur Tankreinigung Kobler erklärte der Leiter des Kreis-Bauamtes, Michael Büssemaker, dass auf Betreiben des Kreises der Emissionsschutz verbessert worden sei. Arnold Müller, Leiter der Gewerbeaufsicht der SGD, stuft die Tankreinigung als saniert ein und sieht keinen Handlungsbedarf, wollte jedoch nicht ausschließen, dass es vereinzelt zu Belästigungen kommen könne. Geruchsintensive oder giftige Stoffe würden bei Kobler nicht verarbeitet.

Nach drei Stunden schloss Esser die Veranstaltung und stellte ein weiteres Treffen zu einem späteren Zeitpunkt in Aussicht. Dann soll festgestellt werden, ob eine Verbesserung der Situation eingetreten sei. (ghx)