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Er geht ohne Wehmut

MUTTERSTADT: Nach 15 Jahren als Bürgermeister freut sich Ewald Ledig auf den Ruhestand - „Menschen ans Herz gewachsen"
Ewald Ledig packt, hängt Bilder von der Wand, räumt Schreibtisch und Schränke aus. Morgen scheidet er - freiwillig - aus dem Amt als Bürgermeister in Mutterstadt, das Büro übernimmt sein Nachfolger Hans-Dieter Schneider (SPD). „Jetzt freue ich mich auf andere Dinge", sagt Ledig.

15 Jahre prägte Ewald Ledig als Bürgermeister die Gemeinde Mutterstadt, und die Gemeinde hat auch ihn geprägt. „Ich bin Ur-Mutterstadter, aber durch meine Arbeit ist mir der Ort mit seinen Menschen noch mehr ans Herz gewachsen", sagt der 64-Jährige. Morgen hat er seinen letzten Termin. Wehmut? „Nein, ich gehe nicht mit einem weinenden, sondern mit einem lachenden Auge. Es ist Zeit für den Ruhestand." Auch wenn er den täglichen Umgang mit den Mitarbeitern und den Menschen im Ort vermissen werde. „Und die vielen Jubiläen, auf die ich jetzt nicht mehr gehen darf oder soll. Das fand ich immer besonders schön und interessant."

Denkbar knappe Wahl

Ewald Ledig wird sich umstellen müssen. Die größte Veränderung: Künftig hat er Zeit - erstmals seit vielen Jahren. Die Arbeit als Bürgermeister war anstrengend, die Arbeit an der Mutterstadter Hauptschule, wo er von 1983 bis 1992 Rektor war, ebenfalls. Aber er wollte es so: „Ich habe früh gemerkt, dass ich auf Menschen einwirken und ihnen etwas beibringen möchte", sagt er. Daher sei er Lehrer geworden. Über die Rupprecht-Schule in Ludwigshafen und die Goethe-Mozart-Schule in Oppau habe er dann den Weg nach Mutterstadt gefunden, „zurück in die Heimat".

Bis 1992 blieb er Rektor, dann wurde Ledig, 1974 Gründungsmitglied der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Bürgermeister. Die Wahl: denkbar knapp. Damals wählte noch der Gemeinderat, und Ewald Ledig siegte mit einer Stimme Mehrheit. „Das war meine eigene." Ob er es nach einer Niederlage erneut versucht hätte, weiß er nicht. Vielleicht wäre er an der Schule geblieben, denn er sei mit Leib und Seele Lehrer gewesen. „Auch als Bürgermeister habe ich im Gemeinderat einige Male den Satz zu hören bekommen: ,Ewald, jetzt kommt wieder der Lehrer bei dir durch"."

Die Jahre als Bürgermeister waren nicht immer einfach. Kurz vor der Urwahl um das Amt im Jahre 2001 kam es zum Bruch mit seiner Partei wegen unterschiedlicher Positionen zur Holzhackschnitzelanlage für das Baugebiet „Alter Damm". Ledig wollte die Anlage, die FWG nicht, Ledig trat aus. Und gewann als parteiloser Kandidat die Wahl mit satten 78 Prozent - ohne Wahlwerbung gemacht zu haben. „Ich war mir sicher, dass ich keine Reklame brauche." Die Höhepunkte seiner Zeit als Bürgermeister? „Der Bau des Sportparks und des Palatinums. Darauf bin ich stolz und darauf können wir alle stolz sein."

Rektor, Bürgermeister, Vorsitzender des 1. Handharmonika-Clubs von 1969 bis 1986, Spielleiter und Trainer beim Fußballverein FG 08 - sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich strebte Ewald Ledig nach leitenden Positionen. Die Liebe zur Musik lag in der Familie, der Onkel war Dirigent des Handharmonika-Clubs, Mutter Luise spielte im Orchester, er selbst feierte vor drei Jahren 50 Jahre Mitgliedschaft im Verein.

Beim Fußball ein harter Knochen

Ebenso lang ist er nun auch Teil der FG 08. „Früher galt ich als harter Knochen, Verteidiger." Heute kickt Ledig nur noch selten, aber die Fußballleidenschaft ist geblieben. Er ist Fan des 1. FC Kaiserslautern - wie auch seine Tochter Felicitas, die zwar inzwischen in Freiburg lebt, aber am Dienstag bei seiner Verabschiedung im Palatinum war. „Das hat mich besonders gefreut", sagt Ledig. Er selbst lernte seinen Vater nie kennen, weil dieser im Zweiten Weltkrieg gefallen war.

Künftig darf sich Ewald Ledig also auf den Ruhestand freuen. Obwohl schon absehbar ist, dass er aktiv bleiben wird. Eines seiner Hobbys: Wandern. „Sehr gerne in der Südpfalz, aber wir waren auch schon über 50 Mal in Südtirol." Zudem will er sich in Zukunft, gemeinsam mit Ehefrau Brigitta, intensiver um seinen Garten kümmern. „Sie macht die Blumen, ich das Gemüse." Das dazugehörige Haus liegt im Ortskern. Dort, wo Ewald Ledig fast immer gewohnt hat, zunächst im Haus der Großeltern, nun in seinem eigenen. Kontinuität scheint ihm wichtig zu sein. 1996 feierten seine Frau und er Silberne Hochzeit. Im Jahr 2021 wäre die Goldene Hochzeit an der Reihe. „Ich bin gespannt, welcher Bürgermeister dann vorbei kommt und uns die Glückwünsche übermittelt." (hti)