LUDWIGSHAFEN: Alternativen zur Ortssperrung
Von unserem Redakteur
Oliver Seibel
Um Ortsdurchfahrten im mittlere Rhein-Pfalz-Kreis für den Schwerlastverkehr nicht zu sperren, arbeitet der Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) an einem ganzen Bündel von möglichen Maßnahmen. Eine Idee ist, die Hersteller des Navigationssystems GPS davon zu überzeugen, in ihren elektronischen Wegbeschreibungen von Ortsdurchfahrten abzuraten.
Wie gestern berichtet, ist der LSV zu dem Schluss gekommen, ein erneutes Lkw-Durchfahrtsverbot in den Gemeinden des mittleren Rhein-Pfalz-Kreises zunächst nicht ins Auge zu fassen. Am Mittwoch hatte der Kreis zu einem „Runden Tisch" geladen. Weil sich Zulieferer und Kunden einheimischer Unternehmen nicht ohne weiteres vom Laster-Durchgangsverkehr unterscheiden ließen, sei die Überwachung schwierig. Darüber hinaus seien die rechtlichen Hürden für solch ein Verbot recht hoch, hieß es in einer Presseerklärung des Kreises. Klaus Noll, Leiter des Landesbetriebs Straßen und Verkehr in Speyer, wurde gestern auf Rheinpfalz-Anfrage noch deutlicher: „Das Aufstellen von Schildern, nur um die Leute zu beruhigen, ist nicht unser Ding."
„Straßendetektive" ansprechen
Wie mehrfach berichtet, hat sich in den Augen von Einwohnern und Bürgermeistern des Rhein-Pfalz-Kreises der Brummiverkehr auf den Gemeinde-Straßen erheblich verstärkt. Dannstadt-Schauernheim, Mutterstadt und Böhl-Iggelheim hatten sich zu einem gemeinsamen Vorgehen entschlossen, um den Schwerlastverkehr einzudämmen.
Nun soll eine Arbeitsgruppe unter Federführung des LSV nach alternativen Lösungsmöglichkeiten für das Durchfahrtsverbot suchen. Neben dem Landesbetrieb sollen der noch zu bildenden Arbeitsgruppe Vertreter aus den betroffenen Gemeinden, des Kreises und der Polizei angehören. „Meiner Kenntnis nach gibt es deutschlandweit sieben ,Detektive", die für die Hersteller des Navigationssystems GPS Erhebungen direkt vor Ort machen. Die könnte man mal ansprechen und nachhaken", sagte Noll. Eine weitere Möglichkeit sei, sich mit Speditionsverbänden in Verbindung zu setzen und so einen Einfluss darauf auszuüben, dass Lkw-Fahrer die Ortsdurchfahrten meiden. Denkbar sei darüber hinaus, dass die Gemeinde direkt auf die Laster-Fahrer aus allen Ecken Europas zugehe und ihnen Unterlagen in englischer, französischer und spanischer Sprache mit regionalen Umgehungsmöglichkeiten der Ortskerne in die Hand drücke. „Man muss die Gewerbetreibenden sensibilisieren, den Lkw-Fahrern mitzuteilen, dass es eine Umfahrungsmöglichkeit gibt", spricht sich auch der Leiter des Mutterstadter Ordnungsamtes, Rüdiger Geib, für diese Option aus.
Verkehrserhebung im großen Stil
Eine Verkehrserhebung im großen Stil erachtet Noll ebenfalls als unerlässlich. Unterstützung erhofft er sich dabei vom Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz. „Der könnte das in die Hand nehmen. Der Schwerlastverkehr ist inzwischen so vernetzt und komplex, dass man ihn in größeren Strukturen sehen muss. Ich glaube, dass selbst die Kreisebene zu klein ist", so sein Vorschlag.
Gegen diese Idee hat Wolfgang Kühn, Abteilungsleiter Rechtsangelegenheiten Ordnung und Verkehr beim Kreis, keinerlei Einwände. „Ich nehme jede Hilfe in Anspruch, die dazu beiträgt, regionale Probleme zu lösen", bekräftigte er. Ihm sei in erster Linie wichtig, dass „keine Insellösungen" entstehen, sondern alle betroffenen Gemeinden befriedigt würden. „Das ist das Bestreben von allen", so sein Eindruck. Davon, dass die Sperrung der Ortsdurchfahrten so schnell wohl nicht zustande kommen wird, erhofft sich Reinhard Roos (SPD), Bürgermeister von Böhl-Iggelheim, bessere Karten für die Verwirklichung der Westumgehung. „Für die Ortsentwicklung wäre das sehr wichtig. Wir müssen am Ball bleiben", betonte er.